Die letzten Recken eines untergehenden Industriezweiges wollen es noch einmal wissen. Mit lautem Getöse wird gegen Google und Blogs im Internet vorgegangen, Paid-Content ist das Stichwort und der scheinbar letzte Rettungsanker für viele Verlage und Zeitungen. Rupert Murdoch, der scheinbare Gottvater, als Gallionsfigur in einem Kampf, der für viele richtungsweisend sein wird.
Kostenlosjournalimus?
Das Internet mit seiner angeblichen kostenlos-Mentalität scheint dem kommerziellen und alten Medienkanälen, insbesonders der Printmedien nicht zu schmecken. Scheinbar wie Pilze schießen sie aus dem Boden, jeder kann über das Thema schreiben, dass ihn berührt und alle bilden sie eine schier unüberschaubare Plattform, wo jeder Internetnutzer sein Wissen finden kann, das er sucht. Und keiner schaut mehr in die Zeitung. Doch liegt es nur daran? Sind Blogs wirklich die Wurzel allen Übels und der Dolchstoß für die Zeitungen und Zeitschriften? Oder ist auch das eine Legende?
Auf den Internetplattformen der großen Zeitschriften scheint sich Widerstand zu regen. Es scheint nicht von ungefähr zu kommen, diese Wanderung von Lesern, weg von der Papierform hin zum elektronischen Informationsfluss. Doch wieso? Es geht um einiges. Das Monopol der Verlage, an der Information, in einem Zeitalter, das schneller nicht sein könnte. Wenn du heute liest, was vor einer Woche passierte, dann ist diese Information wenig wert. Doch wie soll gewährleistet werden, dass die Qualität der Informationen erhalten bleibt, wenn Zeitungen mehr und mehr dem Wettbewerb unterliegen und an die Gewinne denken müssen? War früher der Journalistenberuf eine sehr angesehene Arbeit, denken viele heute kritisch über die Schreiberlinge aus großen Verlagshäusern. PR-Journalismus wird genannt, kleine Verlagshäuser, Journalistenentlassungen. Passend formuliert es ein Zeit-Artikel:
Aktuell
Etwas Grundlegendes geschieht, nicht nur in Anklam, sondern im ganzen Land. In bislang nicht gekanntem Umfang entlassen Zeitungsverlage ihre Leute, schließen ganze Redaktionen, lagern sie aus, ersetzen fest angestellte Redakteure durch billige Leihkräfte. Ein »Revolutionsjahr« nennt es Michael Seidel, der Chefredakteur des Nordkuriers.

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Auch ich bediente mich soeben der Informationen des Artikels, doch schaffe ich damit nicht eine neue Referenz zu eben diesem Artikel? Wäre manch ein Leser sonst vielleicht niemals auf diesen Artikel aufmerksam geworden? Ich denke, das Internet bietet viele Möglichkeiten eine viel breitere Leserschaft anzusprechen, doch erst einmal zurück zum Thema.
Noch in den fünfziger Jahren gab es in der Bundesrepublik mehr als 624 Zeitungsverlage, heute sind es 353 – obwohl Ostdeutschland hinzukam. In mehr als jedem zweiten deutschen Kreis gibt es nur noch einen Zeitungsverlag [...]
Meiner Meinung nach, sind das besorgniserregende Zahlen. Es geht in diesem Gewerbe schon lange darum, Kosten zu sparen, anstatt sich mit einem stagnierenden Gewinn auf dem Markt zu halten. Und dort zeigt sich das Dilemma von Verlagen. In einer Welt voller Konkurrenz kann man nur dann überleben, wenn man scheinbar nachzieht. Wenn der eine entlässt, muss ich das auch. Doch führt das dazu, dass die Leser treu bleiben? Weniger Mitarbeiter haben logischerweise auch immer einen Qualitätseinbruch zur Folge. Im gleichen Zeitartikel wird darüber geschrieben, dass einige Zeitungsmogule mit hunderten Blättern das Ende ihrer eigenen Branche beschwören. Doch wieso jammern und gleichzeitig weiter zerstören, entlassen, zusammenlegen und Ausgaben kürzen? Ist das die Rettung für Printmedien? Und ist das Internet schuld an allen diesen Entwicklungen? Schuld daran, dass Journalisten sich selbstgefällig auf Dienstreisen begeben, die von Konzernen in südlichen Gefilden bezahlt werden? Schuld daran, dass trotz Gewinne immer mehr Journalisten entlassen werden?
Anpacken
Die Menschen im Internet beginnen sich zu verselbstständigen. Früher war es schier unmöglich, ohne Ausbildung an einen Journalistenjob zu kommen. Außerdem sollte man sich noch der Verlagsdoktrin unterordnen, im Namen einer politischen Gesinnung schreiben. Heute ist das nicht mehr nötig. Heute kann man es selbst in die Hand nehmen. Technikblogs, Rezeptblogs, kritische Auslandsberichterstattungen, Wissenschafts-, Law-Blogs, all das und viel mehr lässt sich im Internet finden.

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Doch bietet das Internet nicht ganz neue Möglichkeiten, die Informationen zu vermarken? Online-Abos gibt es schon lange. Die Möglichkeiten, seine Zeitung auf portablen Geräten zu lesen auch, wo liegt die Hürde? Liegt die Hürde in der Angst, die Menschen würden auch im Internet nicht für Informationen bezahlen? Ich bin anderer Meinung. Guter Journalismus, mit guten Recherchen und Redakteuren ist essenziell, auch für Blogger, die sich auf einzelne Artikel beziehen und über ihre Erfahrungen schreiben. Doch gilt es ein passendes Zahlungsmodel zu finden, um Menschen die Informationen bereit zu stellen. Kostenlos wird keiner unabhängig berichten können, das ist allen klar, doch PR-Artikel ungeprüft und unkritisch abgedruckt – das füllt die Taschen der Journalisten, doch ob die Leser sich damit identifizieren können, wenn in Zeitschriften mit vier großen Buchstaben regelmäßig Supermarktketten gelobt und gepriesen werden, dann kann ich mir denken, dass viele andere Wege suchen (und auch finden) um sich zu informieren.
Neven DuMont und seine Journalisten haben noch vor sich, was die Wirtschaftspresse des Hamburger Großverlages Gruner + Jahr hinter sich hat. Rund 60 Journalisten hat der Verlag abgebaut, als er 2008 die vier Redaktionen von Capital, Impulse, Börse Online und Financial Times Deutschland zusammengelegt hat.
Ein noch größeres Problem könnte die fehlende Identifikation mit der Zeitung werden. Jeder hat seine Lieblingszeitung, mag die Schreibweise und die politischen Ansichten, den jeweiligen investigativen Journalismus und vieles mehr. Doch wenn Artikel von Agenturen versand werden, die dann in vielen Zeitschriften übernommen werden, wenn also überall das gleiche erscheint – wo bleibt da der Anreiz, bei einer Zeitung zu bleiben, wenn sowieso alle das gleiche schreiben? Suche ich dann nicht automatisch nach Alternativen?
Fazit
Vieles trägt also dazu bei, dass Zeitungen für Leser unattraktiv werden. Einerseits wird an Personal gespart, andererseits erstarkt die Lobby und bringt ihre Beiträge weichgespült in die Verlage und in die Zeitungen. Kritischer Journalismus bleibt dabei auf der Strecke. Andererseits sehen viele den Grund im Internet, doch auf neue Entwicklungen wurde schon immer mit Skepsis reagiert. Das hat sich bis heute nicht geändert. War bei der Entwicklung des Automobils so und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Noch fehlen passende und funktionierende Modelle. Vielleicht wäre es eine gute Strategie, erstmal die neue Technologie nicht zu verteufeln, sondern konstruktiv zu nutzen.

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Andererseits finde ich es toll, dass ich berichten, recherchieren und sogar veröffentlichen kann, ohne dafür eine Zeitung haben zu müssen. Es ist toll zu sehen, wie Menschen sich Zeit nehmen um ihre Gedanken zu digitalisieren und für eine Leserschaft zur Verfügung zu stellen, die sich die Informationen selbst sucht.
Zum Abschluss noch ein kleines Zitat, welches die Situation sehr schön beschreibt:
Journalismus unterliegt heute vielerorts denselben Gesetzen wie Stahl in der Autoindustrie: Er ist Material und damit ein Kostenfaktor.
Quelle: Zeit online