Dies ist ein langer Eintrag. Es handelt sich bei dem Text weder um ein Review, noch um irgendetwas anderes. Es ist eine Darstellung von Gedanken über Gedanken und Erläuterungen zum Gefühlswesen (und dem Umgang damit) des Menschen im Bezug auf Filme und Film schauen aus meiner Sicht.
Es gibt, wie bei vielem auf der Welt, auch unter Filmen zwei grobe Kategorien: Filme und Filme. Man wächst nunmal gezwungener Maßen mit dem Medium TV & Film auf. Ähnlich wie bei der Musik lässt man sich von Anfang an berieseln. Das was durch die Röhre kommt wird Standard, vor allem als Kind. Man könnte diesen allgemeinen Gedanken fast unendlich weit ausweiten, mitsamt seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft, doch das ist es nicht, um was es mir mit diesem Eintrag geht. Ich möchte euch eigentlich nur in “mein” Reich der Filme entführen.
Wie ist das gemeint? Nun, ich konsumiere Filme. Konsum schließt jedoch in keinster Weise eine gewisse Selbstverwirklichung aus. Grundlage dafür sind zum einen der eigene Geist, die Fantasie, die Fähigkeit zu träumen und sich zu öffnen und zum anderen das, was uns der Filmemacher bzw. das Team dahinter an “Werkzeugen” mit gibt. Es können die unter den selbsternannten Filmkritikern verhassten “leeren Charackterdarstellungen”, eine faszinierend komplexe Welt, viele Bunte Farben und viele laute Geräusche, tiefe Story mit Erzählungslücken und vieles anderes seinl. Das sind Beispiele für Werkzeuge – stilistische Mittel um Kunst zu erschaffen. Des Malers Pinsel entscheidet nicht über das Werk, es sind die Farben und der Maler selbst! Doch im Endeffekt ist das, was das Bild in Wirklichkeit ausmacht, der Betrachter, mitsamt den Dingen die er in seinem kleinen Kopf trägt. Erfahrungen, Gefühle, Erinnerungen – gibt uns der Maler Werkzeuge, um genau jene Dinge mit dem Bild zu verknüpfen und sie eventuell zu erweitern, können gigantische Werke entstehen, die einen bis auf ewig Begleiten oder zumindest die Weichen für den Moment anders stellen.
“Wir sind doch thörichte Menschen! Wie oft durchkreuzt die Furcht vor dem Lächerlichwerden unsere innigsten, zartesten Gefühle! Man schämt sich der Thräne und – spottet; man schämt sich des fröhlichen Lachens und – schneidet ein langweiliges Gesicht.”
Wilhelm Raabe, 1897
Das mag alles überspitzt romantisch klingen, doch all so fern ist diese Romantik für mich nicht. Ein Mensch der bei wirklich guten, emotionalen Filmen (wobei emotional nicht gleich traurig ist) nebenbei Solitär spielt oder versucht den Film bis aufs letzte auseinander zu nehmen (siehe Filmkritiker) etc., wird dies nie nachvollziehen können. Es sind die selben Prinzipien auf denen alles aufbaut, was wir empfinden. Die chemischen Botenstoffe sind die selben, es kommt nur auf das an, was wir daraus machen. Ob Liebe, Hass oder Sehnsucht empfunden wird, ist nicht an Dinge geknüpft, die einen direkt beeinflussen, die man um sich hat. Der Kopf kann alles. Rein rational/materialistisch gesehen, kann man das Universum nicht fühlen. Im Kopf schon. Man kann nicht lieben ohne Mensch. Man kann. Dem Kopf und dem empfindenten verstand ist es egal ob etwas wirklich passiert – es reicht die Tatsache DAS es (im Kopf) passiert.
Warum so viel Vorrede, wenn es doch nur um Filme gehen soll? Ganz einfach: Aus “Angst” missverstanden zu werden und um vielleicht dem ein oder anderen die Augen (bzw. den Kopf) für die Kunst zu öffnen. Diese Prinzipien gelten überall und für alles: Musik, Malerei, Dichtung, Leben, Lieben, Sehnen. Filme sind nicht echt, aber man kann sie leben, solange man selbst lebt – es ist dein und mein Geist, dass was uns leben und nicht vegetieren lässt. Gefühle bestimmen einfach alles im Leben des Menschen.
Ich möchte euch in dem Sinne 3 Filme vorstellen. 2 davon sind Animes – ja, gezeichnete Filme aus Japan. Der andere ist ein isländischer Film – von der einsamen Insel im Norden. Kein Hollywood, keine Stars, kein Glamour nichts Bekanntes. Eigentlich ist es nicht in meinem Interesse über etwas schlecht zu reden bzw. die Vorurteilskanone heraus zu holen, aber ich unterstelle den Amerikanern eifnach, dass sie etwas von diesem Format, Filme mit dieser Tiefe nicht erschaffen können. Sei es der Wille oder der Wunsch der Konsumenten. Aber, aber, aber… – Kommentiert euer Aber ruhig, aber glaubt mir einfach, dass diese Aussage durchdachter ist, als manch einer vielleicht denken mag.
Dazu muss ich sagen, dass ich es geschafft habe mich Filmen zu öffnen. Ich habe es geschafft jeden Film als eigenständiges Werk zu sehen. In meiner Welt gibt es kein “Ach, schon tausend mal gesehen”. Warum, fragt sich bestimmt manch einer da draußen, gerade Animes? Zeichentrick? Nunja. Animes sind kein simpler Zeichentrick, auch keine Kinderfilme. Der geringere Teil von Animes ist wirklich für Kinder. Wir “aus dem Westen”, sind es nur nicht anders gewohnt, Zeichentrick als etwas anderes als Kinderkram abzutun. RTL II hat mit seiner Serienauswahl natürlich seinen Teil dazu beigetragen und die z.T. mit langweiligsten und schlechtesten Serien zu zeigen, die der Markt bietet. Natürlich für Kinder u. Jugendliche. Für mich war es lange Zeit auch nichts anderes als das. Ich kannte es einfach nicht anders. Es ist wie mit so vielem – man kann Vorurteilen nicht verhindern, es war Frau Evolution die uns diese überlebenswichtige “Gabe” verliehen hat. Doch es ist meine Neugier, der ich zu verdanken habe, dass ich mich in Filmwelten hineinversetzen kann, die ich vorher noch nie so gesehen habe. “Meine Fresse, warum gibt es so viele Menschen die Animes schauen! Da MUSS doch etwas dran sein!”. Nach dem Prinzip gehe ich sehr oft an Sachen heran – meist halb unbewusst. Ich sollte nicht enttäuscht werden: Der erste Anime den ich je wirklich gesehen habe (Neben Pokemon, Digimon etc. in Kindertagen) war Elfen Lied. Was zur Hölle – was für ein Ding. Unbeschreiblich war der Moment beim Schauen, als ich merkte, dass ich die ganze Zeit etwas Großes an mir vorbeiziehen lassen habe (Es nannte sich Anime). das ist nocht nichteinmal ein halbes Jahr her.
So folgte Anime nach Anime und der Hunger ist noch lange nicht gestillt. Denjenigen, den es interessiert kann auf meiner AniDB-Seite nachschauen (neues Fenster) und verfolgen, was mein Animefundus hergibt (mitsamt Wertung). Ich war und bin immernoch Überwältigt. Zwanghaft versuchte ich meine Begeisterung mit den Leuten in meinem Freundeskreis die Fasziantion beizubringen, sie zu Teilen, doch irgendwie hat das bis jetzt nicht geklappt. Die meisten sind zwar offen dafür aber eher in die Richtung “aha”. So kam es, dass ich mich durch diverse Seiten schlug und plötzlich auf einen Link zum Videostreaming-Dienst Veoh.com traf. Es war ein Anime mit dem Titel Hoshi no Koe – Voices Of A Distant Star. Für mich gab es nur noch eins, in diesem Moment: Replay und Heulen. Makoto Shinkai hat Schuld am Emotionsfeuerwerk. Im Alleingang schuf er ein fast halbstündiges Meisterwerk. So anders und doch so nah. Die Nähe kommt durch die Identifikation – nicht unbedingt mit den 2 Protagonisten, sondern eher durch Bild, Ton und die Gesamtsituation – es ist schwer zu erklären, ja fast unmöglich. Es gibt noch keine Sprache mit der man Gefühle sprechen kann.
Voices Of A Distant Star
Google war nicht weit. Infos war alles was ich brauchte. Es ist eine Gewohnheit meinerseits, nach Filmen mich über Hintergründe schlau zu machen, vor allem wenn etwas einen derart starken Eindruck hinterlässt. Viel gab es nicht, bis auf die Tatsache, dass Amazon den Kurzfilm als DVD UK-Import zum Verkauf anbietet. Schon kurz vor dem klick erblickten meine glänzenden, güldenen, immernoch tränende Augen einen Titel, ein Bild und ein Name. “The Place Promised In Our Early Days” von Makoto Shinkai. Es war wie im halbschlaf, so schnell hatte ich nach schauen des Trailers auf der Verkaufsseite die DVD bestellt. Ich konnte es nicht fassen: Diese Musik, diese Bilder, der Inhalt. Ich war wirklich so ergriffen, dass ich schonwieder auf die Tränendrüse gedrückt habe. Es passt eifnach alles, diese Leere, dieses Gefühl der Sehnsucht, das Szenario, das Design – eifnach alles. Es war als spiegelt das kleine Trailerchen einen riesen Teil meines Innern ab. Ich kann es kaum beschreiben, vermutlich werden hier die ersten inneren Stimmen laut, die denken ich sei ein nah am Wasser gebauter Mensch, aber das bin ich nicht. Es ist der Wert für mich selbst, der davon ausgeht – der Inbegriff von Subjektivität. Wieder gab es nur eins. Replay und Heulen. Immer wieder. Danach fing ich gar nicht erst an, mir Infos über den Film zu holen oder weitere Trailer zu suchen. Ich wartete. Ich wartete wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsmann und den Osterhasen zusammen. Dank Amazon Prime musste ich nur einen Tag warten. Dem Premiumversand sei dank.
Doch ich wartete weiter. Auf DEN Moment. Der Moment in dem ich mich bereit für den Film fühlte. Ich wollte es nicht erzwingen, es war irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt und schon gar nicht dafür, ihn am PC zu schauen. Der Trailer hatte mir zuviel Erfuhrcht eingehaucht, als das ich der DVD dieses unbequeme Domizil anbieten würde. Vielmehr wanderte die Silberscheibe in den DVD Player des Wohnzimmers – zumal ich dort Dolby Digital 5.1 und wirklich guter Qualität genießen kann (Für die interessierten: Anlage bestehend aus Yamaha Verstärker/Decoder, Panasonic Player, Magnat Sub, Canton Satelliten – alles entweder irgendwo Testsieger oder zumindest gut).
Rolläden herunter, Brille holen, Trinken holen, vorher auf Toilette und ab damit. Es war der richtige Moment. Schon das DVD Menü katapultierte mich in eine andere Welt – es war allein die Musik und die Empfindungen beim schauen des Trailers 2 Tage zuvor. Ich wusste ja eigentlich berhaupt nicht was mich Inhaltlich erwartet bzw. wie es um die Qualität des Filmes stand, aber man sieht daran wieder, dass es nicht auf das ankommt, was aussen passiert. Es ist der Kopf. Dabei fällt mir ein, dass der allgemein bekannte Begriff “Kopfkino” recht passend ist und durch die Ausführung hier eine viel tiefere Bedeutung annimmt.
The Place Promised In Our Early Days
Es war so wie es sein sollte: Set und Setting passten. Es war das selbe Gefühl wie beim Trailer – nur mit dem Unterschied, dass der Film eine wahnsinns Welt um die Story erschaffen hat und somit der Atmosphäre einen enormen Schub gegeben. Der Film handelt spielt in einer “Parrallelwelt” in der die USA den 2. Weltkrieg nicht gewonnen haben – man einigte sich stattdessen auf ein Unentschieden. Seitdem ist Japan, wie ehemals Deutschland oder das heutige Korea in zwei Teile geteilt. Nord und Süd. Die sogenannte Union und die Vereinigten Staaten. Die Schulfreunde Hiroki und Takuya leben im südlichenb Sektor, träumen aber genauso wie ihr von beiden gleichermaßen begehrte Sayuri von einer Reise zu jenem ebenso gewaltigen wie mysteriösen Turm, der jenseits der Grenze in den Himmel ragt . Sehnsucht, Krieg, Fortschritt, Entfernung und Unzugänglichkeit… für jeden Menschen bedeutet dieser Turm etwas anderes, je nach dem in welcher Generation man aufwuchs, Anziehung oder Abneigung – doch eins bleibt allen gleich: Der Anblick beflügelt die Fantasie eines Jeden. Man kann den Film nicht erklären und sollte schon gar nicht auf die weitere Story eingehen, man muss es selbst erleben. Dies soll wie gesagt auch kein Filmreview sein.
Der Tiefgang und die Komplexität der Gedanken der Protagonisten, wie auch der Geschichte selbst, waren in der Art neu für mich. Vieles spielt sich in einem selbst, in Form von Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, im Bezug auf das Umfeld und sich selbst, ab. Wenn man zu dieser Selbstreflexion keinen Zugang hat, wird es einem schwerer fallen, diesen langsamen Film zu “verstehen”. Ich setzte “verstehen” bewusst in Anführungszeichen, da es nicht am Plot hapern wird. Eher an dem, was ich versuche euch darzustellen. Man wird den Film nicht Leben können, denn er ist das (bzw. mein) Werkzeug dazu sich seiner Träume klar zu werden, sich mit dem was man kann, muss und will auseinander zu setzen. Es sind diese Situation, die alltäglich sind, aber dennoch so intensiv dargestellt werden, dass die bewusste Auseinandersetzung weit über den Film hinaus unvermeidbar ist. Wenn man es denn zulässt und am besten allein schaut – nicht weil man eventuelle Tränen verbergen muss, sondern einfach weil man allein ist. Es ist ein wichtiges Motiv, das auch direkt auf einen überspringt. Das Feuer des Animes kann sich meiner Erfahrung nach nur so wirklich entfachen.
The Place Promised In Our Early Days
“The Place Promised In Our Early Days” ist ein Kunstwerk in allen Richtungen. Ich empfehle jedem diesen Film. Es wird vielen schwer fallen, sich dem anzunehmen. Es wird genauso vielen schwer fallen, davon zu lassen. Doch warscheinlich werden 99%, die diesen Text lesen und den Film schauen sich fragen, warum der Herr hier ein riesen Haufen geblubber um einen Anime macht?! Ganz einfach und schon mehrmals gefallen: Es ist der Kopf. Mein Kopf. Meine Welt. Mein Erleben. Meine Gefühle.
Wenn es ein Film schafft meine verborgenen Sehnsüchte und Träume aus dem tiefsten gräbern meines Hirns aus zu buddeln wie nichts vorher, ist die überschwänglich erscheinende Romantik nur gerechtfertigt. Wie gesagt, schaut euch ihn an und denkt an das, was ihr hier gelesen habt.
Ich mag mich wie ein religöser Esoteriker anhören, aber dieser Film mitsamt “5 Centimeters Per Second”, haben irgendwo Schalter umgestellt, ja regelrecht mein Hirn gewaschen. Jedoch nur in Form von “Hilfe zur Selbsthilfe” – von gut auf sehr gut. Teil meines eigenen Testaments meiner eigenen Bibel, die ich mir seit vielen Jahren bewusst durch ständige Reflexion aufbaue. Keine Ahnung wo ich stehen würde, ohne diese Fähigkeit. Warscheinlich weiter im Leben als so, aber ich hätte meine Träume und Sehnsüchte verloren… und das will ich nicht.
5 Centimeters Per Second
Der gerade genannte Anime “5 Centimeters Per Second” ging da noch einen Schritt weiter. Ich schätze, dass ich ca. 14,86 Liter Wasser geheult habe. Doch der Grund dafür ist kein “Oh nein, Leonardo Di Caprio ist ersoffen!”, es ist anders. Ganz anders. Der aus 3 Episoden bestehende Film ist noch tiefer, noch normaler, noch näher. Der Regisseur hat vermutlich bewusst auf die Sci-Fi Elemente verzichtet, um genau das zu erreichen. “5 Zentimeter pro Sekunde – die Geschwindigkeit mit der Kirschblüten fallen. Mit welcher Geschwindigkeit müss ich leben damit wir uns wiederzusehen?”.
Wieder das Alleinsein, wieder die Entfernung. Wieder im Endeffekt eine Liebesgeschichte (Ja, The Place Promised In Our Early Days ist eine “Liebesgeschichte” mit füllendem Rahmen). Doch allein die Erzählweise ist so unglaublich eindringlich. Es ist nicht nur das Bild oder die Story, oft sind es die ewigen Monologe, die einem erlauben ins Innere zu schauen (von was bestimmt man selber).
Für mich hat er sogar “The Place Promised In Our early Days” geschlagen. Dabei ist eins jedoch sicher: Wer ersteres nicht mochte, wird “5 Centimeters Per Second” warscheinlich auch nicht mögen. Es ist der selbe Stil: abgehackt nur noch langsamer, noch normaler. Eine Parabel über das Erwachsen werden.
5 Centimeters Per Second
Leider gibt es den Film noch nicht auf deutsch (bzw. noch nicht in Deutschland erschienen), so dass ihr um einen Import nicht herum kommen werdet. Es gibt auch einige gute Torrent Tracker, die sogar das HD Material verbreiten. Im Anbetracht der schlechten Verfügbarkeit hierzulande kann man wohl oder übel nicht anders. Ich warte wie ein kleiner Schneekönig auf die deutsche Fassung, da ich mit der deutschen Dub (Synchronisation) von The Place Promised sehr, sehr zufrieden war – die Sprecher haben das Original autentisch, in hoher Qualität getroffen, die Stimmen passen perfekt. ganz im Gegensatz zur Englischen Synchro, die mir ganz und gar nicht gefällt. Da Japanisch ohne Frage eine sehr schöne Sprache ist, sollte man sich bei 5cm die Originalfassung mit englischen (deutsch noch n. verfügbar) Untertiteln anschauen. Der Anspruch ist dabei nicht zu hoch, für Englischanfänger jedoch zu hart bzw. zu schnell. Die Wahrnehmung des Films stört dies, in meinem Fall, nicht.
Was zudem bei allen Filmen von Makoto Shinkai unbedingt mit zu erwähnen ist, ist der grandiose Soundtrack. Ich könnte wieder ausholen und alle Wahrnehmungsvorgänge mit den Gefühlen und Erinnerungen die daran geknüpft sind erklären, doch ich denke das erübrigt sich, da ich hoffe, dass der Kern meines “Anliegens” verstanden wurde. Die Sache mit dem berüchtigetem “Kopf” trifft nunmal auch (oder gerade auf?) die Musik zu. Fast jedes Land hat eine andere Sprache, nur die der Musik ist überall auf der Welt gleich. Der geniale Komponist hinter Shinkais Filmen nennt sich “Tenmon” (Atsushi Shirakawa). Der Soundtrack von allen Filmen ist selbst alleinstehend Wahnsinn. Doch erst die Kopplung mit den Filmen und den damit verbundenen Erinnerungen und Emotionen macht die gewaltige Kraft einiger Songs aus. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wenn ihr den Trailer auf dem Amazon Link weiter oben nicht schon gesehen habt sollte man sich nur einmal die Vorschauen zu gemüte führen. Für den offiziellen 5cm Trailer klickt hier: 5 Centimeters Per Second Trailer, für den Trailer von The Promised Place hier: The Place Promised In Our early Days Trailer (deutsche Version von Rapid Eye Movies).
Ich kann es kaum in Worte fassen, wie sehr mich der Soundtrack berührt. Es ist so, dass man bei einigen Titeln einen Emotionalen Overload bekommt – es ist das erste mal, dass ich beim hören eines Musikstückes weinen muss/kann. Einfach alle gefühle rauslassen. Die Melancholie dabei gepaart mit der Sehnsucht und der Hoffnung sind besser als jede Euphorie. Und ich bitte euch beim Lesen nicht auf “dumme Gedanken” ala Männer weinen nicht zu kommen. Doch das tun sie, genauso wie jede Frau auch. Nur das ich es nicht unterdrücke. Es ist nicht nur simples unterdrücken: Man hat es regelrecht verlernt auf sein Inneres zu hören und dabei seinen Gefühlen zu folgen. Man kann nicht als “Ich” funktionieren, wenn man das was einen Mensch am meisten ausmacht unterdrückt. Schlimm ist eher die Tatsache, das wir in einer Gesellschaft, die sich als Zivilisiert, “menschlich” und den Verstand-nutzend bezeichnet, immer noch in starre Dogmen, Schachteln, Kisten, Vorurteile usw. gedrückt werden. Jeder tut das – überall. Man kann es kaum abstellen, aber vermindern. Alles als Teil seiner Selbstreflexion. Denn warum sollte man sich gegen die wirklich Freuden, die im Kleinen stecken wehren? Gefühle sind eine Gabe der Natur, die wir gefälligst auch ausleben sollten.
5 Centimeters Per Second
Eigentlich wäre der letzte Satz das ideale Schlusswort gewesen, wenn da nicht noch der 3. Film im Bunde der Vorstellung wäre. Diesmal handelt es sich wie schon geschrieben um einen Realfilm mit dem Titel “Engel Des Universums. Der Regisseur und die Darsteller sind allesamt Isländer – und das färbt auf den Film ab. Island ist eine kleine Welt für sich und ist weit mehr als nur Geysire, Islandpferde und bleiernde Kälte. Unter den 300.000 Einwohnern, wovon ein Großteil in Reykjavík lebt, kann man so sagen, dass jeder jeden kennt (Zumindest sagen sie das von sich selbst). Es ist ein Faktor der einen immensen gesellschaftlichen Einfluss hat: Die Anonymität, verursacht durch hohe Bevölkerungsdichte in den meisten Ländern und Metropolen fällt weg. Es ist keine Hetzjagt um jedes Stück Futter, es ist keine Jagt um Land. Es ist ein Leben miteinander und nicht Gegeneinander – ganz im Gegenteil zu unsere n überbevölkerten Ländereien und Menschen. Der Kapitalismus tut sein übriges dazu (und ich bin in keisnter Weise ein Kapitalismusgegner, es ist aber nunmal Fakt). Isländer leben mit Island und Island mit den Isländern – natürlich ist das nur in direktem Vergleich bzw. in Relation zum rest der Welt zu sehen und nicht überzubewerten. Aber dennoch: Island als Kunstwerk der Natur ist Inspiration für alle Islander. Nicht umsonst kommen die “eigen-artigsten”, aber wohl kreativsten und besten Musiker aus Island: Ganz vorn dabei ist Björk und natürlich Sigur Rós. Doch genau wie die Musik ist es die Dichtung, die Malerei und andere Kunst. “Was du schreibst kein Buch/ spielst kein Instrument?!” – so könnte man die Gegenfrage eines erstaunten Isländers formulieren (Ich empfehle die DVD “Screaming Masterpiece“, wo genau das gesagt wird). Zudem auch gleich der Link zu Amazon für den Kauf der Engel des Universums
DVD, die mittlerweile wirklich günstig ist, für den Wert, den der Film wirklich hat.
Engel Des Universums
Natürlich ist Filmemachen auch eine Form der Kunst. Je nach dem wie man es anstellt. Hollywood kann es kaum, das ist leider Fakt für mich – dort wird serviert, woanders muss man sich sein Essen noch selber machen (und zu Hause bei schmeckts (fast) immer am besten) und kann es nach Lust und Laune würzen und garnieren. Genau das erlaubt auch wieder “Engel Des Universums”. Ich erspare mir hierbei die Ausführung weiterer Zusammenhänge, im Bezug auf alles schon genannte.
In “Engel Des Universums” geht es, ich verwende es schon wieder, den Kopf! Genauer gesagt um Palis Kopf, dessen Gefüge auseinander gerät. Er malt und spielt laut Schlagzeug… und ist verliebt. Was für ihn die Liebe seines Lebens ist, ist für Sie lediglich ein stiller Protest gegenüber ihren Elterlichem Haus, das einen Taxifahrer als Schwiegersohn nicht duldet. Sie weist ihn ab und Pali wird krank – Kopfschmerzen als Vorzeichen einer schweren psychischen Störung, die sich zuerst in Aggression und später in Halluzinationen und wirren Beziehungsgedanken entläd. Es handelt sich um eine voll ausgeprägte Schizophrenie. Im Anbetracht der Tatsache, dass 80% aller Deutschen denken, dass Schizophrenie und eine Multiple Persönlichkeitsstörung das selbe ist, sei hier nochmal erwähnt, dass dem nicht so ist. (Vermutlich kommt diese Annahme durch den griechischen Begriff schizein, zu dt. “abspalten”). Wikipedia ist auch hier unser aller Freund! Nun denn, Pali hat es nicht leicht, doch genauso wenig sein Umfeld.
Ich belasse es bei dieser beabsichtigt unspektakulären Einleitung. Im Gegensatz zu beiden vorhergehenden Animes ist dieser Film weniger in den eigenen Schaffensprozess des eigenen Hirns integriert. Er führt mehr vor, was jedoch keineswegs schlecht ist. Dennoch bietet er aufgrund der Thematik, dem Witz und Charm, gapaart mit der Trauer zugleich eine Steilvorlage zur Diskussion/Relfexion. Doch am wichtigsten ist eine Aussage am ganzen Film :”Kleppur ist überall”. Kleppur ist der Name der psychiatrischen Klinik (übrigends nicht Psychiatrie – Psychiatrie ist wie Biologie etc. die Fachbezeichnung), in die Pali eingewiesen wird.
Engel Des Universums
Es ist die unbeschwerte Darstellung dieses Faktes, der durch die enorme Glaubhaftigkeit der Schauspieler unterstrichen wird. Es ist dieses Gefühl des Alleinseins in unserer Gesellschaft, des Gefangenseins inmitten eines blinden Haufens der sich Mensch nennt. Die Gesellschaft als ganzes Arbeitet gegen sich selbst als Menschen – “Menschlichkeit” als Begriff für das Ganze ist weit entfernt von der Menschlichkeit des einzelnen im Bezug auf Andere. Diese Hoffnungslosigkeit die uns unsere Zivilisation gibt, die fehlenden Perspektiven, Träume und Sehnsüchte. Man ist überversorgt und gleichzeitig psychisch überfordert und doch ohne Benzin als wahren Treibstoff für Menschlichkeit (Gefühle, Träume etc.). Wir können uns nur noch an schnelleren Autos, größeren Häusern, größeren Fernsehern und größeren Pools festhalten. Es gibt nichts, für das es sich zu Kämpfen lohnt, ausser einem Ausbruch aus diesem Teufelskreis. Ist man in diesem Strudel gefangen, haben die wenigsten Kraft zum Kämpfen, denn umso weiter man sich von der Masse entfernt, umso schwerer ist es zu bestehen oder auch wieder zurück zu kehren zudem was sich Freiheit und Individualität schimpft. Das ist “Kleppur” es ist überall und frisst uns auf.
Für Pali spielt das alles keine Rolle, die Gesellschaft gibt es für ihn nicht, denn er wird ausgegrenzt und hat so sein eigenes kleines Leben in seiner eigenen kleinen Welt (die es auch hier gibt, nur dann ohne Verstand, ohne Kritik, ohne Hinterfragen). Doch wie auch beim Gefühl bzw der Empfindung spielt es keine Rolle wo und was passiert. Hauptsache ist das es passiert – und zwar im Kopf. Das hatten wir schoneinmal in diesem Text. Hat man die Kraft nicht in dieser Welt und schließlich in diesem Teufelskreis zu bestehen und zu kämpfen, verfällt man leicht in den Wunsch nach ewigem Schlaf bis hin zum Tod. Es ist die Kraft die viele Menschen nicht haben. Es ist die Kraft die warscheinlich unendlich sein muss, um die quälende Masse zu bezwingen.
Engel Des Universums
Die Rolle des kleinen Ausbrechers vom Weg der Ameisen in mir selbst übernimmt im Film Pali. Er ist Sinnbild für diese ver-rückte Welt. Sinnbild für alles was kommt und geht – Sinn und Unsinn. Es ist somit die Identifikation, die mir den Film zu etwas besonderem macht. Es sind die Gefühle die ich für ihn (und nicht mit ihm) teile. Es scheint als ob man die Gefühlsebene des Pali übernimmt und für ihn fühlt. Kann man den Film aus dieser Perspektive sehen, wird er einem lange, lange in Erinnerung bleiben und auch prägen. Kann man das nicht, ist es dennoch ein sehr guter Film, der auf jedem Fall anders ist und dabei erfrischend und deprimierend zugleich wirkt. Man wird traurig sein, man wird weinen. Man wird aber auch lachen und Freude empfinden. Nur nicht am Ende, denn am Ende steht immer das selbe. Wenn man es schafft sich dem Entgegenzustellen ist man einem wichtigen Schritt im “Kampf” um das eigene Ich ein Stück näher gerückt.
Damit beende ich auch den Batzen Text von fast genau 4000 Wörtern (4050), schaut euch die Filme an, doch schaut sie auch mit eurem dritten Auge. Es “funktioniert” – wenn ihr nur wollt…
Euer Max




Ich werde den Text warscheinlich nocheinmal bearbeiten, da er ein paar Strukturfehler hat. Ein paar Gedanken würde ich auch gern klarer ausdrücken.
Von: neogenic am 19. April 2009
um 12:10
[...] ein Kurzfilm von Makoto Shinkai (5 Centimeters Per Second, The Place Promised In Our Early Days – siehe älterer Blogeintrag). Warscheinlich wird es nicht reichen, den Film nur einmal zu schauen. Das ganze kleine Werk ist [...]
Von: Video der Woche #2 « At what speed must I live? am 26. April 2009
um 21:36
hallo…
ich bin per zufall auf deine sehr gute seite gestoßen.
ich habe nach informationen nach 5 millimeter gesucht und wolla …
mir gefällt was du da sagst, denn du sprichst mir aus dem herzen.
die geschichten sind tatsächlich unglaublich herzzerreisend und auch ich musste meine taschentücher bereit halten…
warum ich hir schreibe?
ich würde gerne eine anmerkung machen…
ich selber kenne zwar deinen irischen film nicht,
da ich vor ca 3 jahren aufgehört habe mir filme mit menschen anzusehen,
aber ich kenne deine beiden anime vorstellungen.
beide zeigen eine welt der entbehrung und der liebe.
aber sosehr mir diese zwei filme auch gefiehlen,
so blieb meiner meinung nach eine seite noch unberührt.
die seite des alltages…
wenn wir alle unsere schule, abitur, studium hinter und gebracht haben und in das arbeitsleben “abgleiten” stellt sich (persönliche erfahrung) nach jahren irgendwann eine frage in den raum…
“und jetzt?” oder “war das alles?” oder “ist es das, was ich wollte?”.
wenn nun in dieser zeit kein partner da ist, der einem halt geben kann,
oder wenn man job-bedingt so oft umgezogen ist, das man auch keine richtigen freunde mehr hat,
stellt man fest, das man in seiner wohnung alleine ist.
wer nervenschwach ist und in depression verfällt, neigt dann schnell dazu zu verzweifeln.
und wenn dann auch noch wie in deinen animes dargestellt, eine sehnsucht besteht, die unerfüllt ist,
kann das so manchen sogar in den wahnsinn führen,
bzw. selbstmordgedanken aufkommen lassen.
dann ist es wichtig, sein leben zu analysieren und zu versuchen daran zu arbeiten.
aus sich selbet heraus schafft das der mensch aber nicht,
daher können manchmal selbst filme helfen,
die dir erstmal zeigen das du ein preblem hast und dir dann auch mögliche lösungsansätze vorstellen,
mit denen du dich aus der situation befreien kannst.
und dazu muss ich dir unbedingt folgende serie empfehlen.
Die Ewigkeit, die Du Dir wünschst – Vol. 1 [2 DVDs]
falls du sie noch nicht kennst,
bitte schaue sie dir von forne bis hinten an,
dann wirst du verstehen was ich meine…
Von: chenlo am 13. September 2009
um 10:10
5 Centimeters per Second und Voices of a Distant Star ist seit kurzem auch auf DVD mit deutscher Synchronisation erhältlich. Eine BluRay gibt es aus Lizenztechnischen Gründen noch nicht. Lohnt sich aber dennoch
Von: neogenic am 29. Oktober 2010
um 23:28